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CEO-Lektionen.

By February 4, 2015 No Comments

100 Tage nach der Franken-Krise versuchen Schweizer Unternehmenslenker aus dem Erlebten ihr künftiges Handeln abzuleiten. Doch das Lernen rein aus der Erfahrung heraus ist schwierig.

 

Zwei Studien der Horváth & Partner AG mit Schweizer Mana- gern zu den Folgen der dramatischen Abwertung des Euros gegenüber dem Schweizer Franken, erst im Januar 2015 und dann 100 Tage später im Mai, zeigen auf, wie sehr sich Füh- rungskräfte auf ihre Erfahrung verlassen – und wie dies ins Ab- seits führen kann. Welche Verhaltensweisen sind gefährlich, wel- che negativen Folgen können wir erwarten und was kann man dagegen tun? Aus den Gesprächen mit CEOs in den vergangenen Wochen lassen sich vier Lehren ziehen.

Lektion eins: Entscheidungsprozesse besser offenlegen.

Manager sind auf den Erfolg fokussiert. Dagegen ist nichts einzu- wenden. Wer den Prozess, der zum Erfolg führt, jedoch nicht ver- steht, verfehlt mit höherer Wahrscheinlichkeit das Ziel. Der CEO eines Unternehmens, das an der Umfrage teilnahm, lobte sich selbst, weil er rechtzeitig die Kostenbremse im Jahr 2014 angezo- gen und dadurch die Strukturen für 2015 perfekt zurecht gelegt hatte. «Falsch», relativierte – sotto voce – sein CFO, denn ein wichtiges Investitionsprojekt etwa sei einfach verspätet angelau- fen. Und nun würden Kosten zu deutlich schlechteren Währungs- kursen anfallen. Er, betonte der Finanzleiter, habe daraus gelernt, dass es wichtiger sei, generell die Gründe für Misserfolge zu stu- dieren und die Entscheidungsprozesse umfassend offenzulegen. In seinem Metier müsse man schließlich diese «Near Misses» (Bei- nahefehler) äußerst ernst nehmen.

Lektion zwei: Strategische Fragen offen ansprechen.

Ein Fall eines CFOs aus der Logistikbranche: Er leitet ein extrem anspruchsvolles ERP-Projekt mit tiefgreifenden Folgen für das Geschäftsmodell des Unternehmens. Bei einem Wechselkurs im Jahr 2011 von 1,50 Franken pro Euro war die Herausforderung groß und bei 1,20 noch größer. Der Finanzchef bemängelt, dass niemand im Projektteam auf die schleichenden Konsequenzen aufmerksam gemacht hat. «Klarer Fall», so der Programmmana- ger, «Jeder, der aus der Reihe tanzt, wird organisatorisch plattge- macht.» Kein Wunder also, dass in diesem Unternehmen ein Kli- ma der Selbstzensur herrscht. Der CFO hat den Zeitpunkt verpasst, dafür zu sorgen, dass interne Mitarbeiter und externe

Berater strategische Fragen offen ansprechen.

Lektion drei: Probleme ergebnisoffen formulieren.

Ein CEO betonte immer wieder seinen Wunsch nach der Stabilität der Organisation. Seine Stabsstelle setzte dies konsequent um. Die Kostenstrukturen interner dezentralisierter Dienste in der Schweiz wurden über die Jahre immer weniger attraktiv, Argu- mente für Alternativen eher als Störung abgetan. Mit der Parität zwischen Euro und Schweizer Franken rutschte das Unterneh- men in eine instabile Lage. Nun fragt der CEO etwas ratlos: Wa- rum? Und vor allem: Warum wurde so spät reagiert. Seine Lekti- on: Wer Probleme ergebnisoffen formuliert, wird eher Anregungen erhalten, die den eigenen Vorurteilen widersprechen und weiter- führen, statt Daten, die nur die erwartete Position bestätigen.

Lektion vier: Pltzliche Marktturbulenzen einplanen.

Nicht zuletzt gab es in den CEO-Gesprächen eine Erkenntnis, wel- che alle Teilnehmer ohne Ausnahme bestätigten: Obwohl bereits eine Senkung von 1,50 auf 1,20 Franken gegenüber dem Euro in den Vorjahren Fakt war und weitere Probleme sich abzeichneten, hatte kein Unternehmen in der Finanzplanung ernsthafte Alter- nativszenarien zu dem Kurs von 1,20 berücksichtigt. Schließlich, so lautete das Argument, hätte 1,20 ja für 2014 gegolten und in die Zukunft ließe sich das problemlos extrapolieren. Es kam an- ders: Bereits beim Kurs von 1,05 litt die Mehrheit der Teilnehmer unter strategisch signi kanten Konsequenzen.

Fazit: Erfahrung ist unentbehrlich, wenn Manager beurteilen und entscheiden. Aber diese wird ge ltert und teils sogar falsch gedeutet. Daher ist es ratsam, sich der Grenzen der eigenen Wahr- nehmung und der seiner Führungskollegen sowie der eigenen Interpretation sehr bewusst zu sein, um nicht unvorbereitet neue, aber eindeutig schlechtere Erfahrungen machen zu müssen.

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